Haltung & Unterbringung
Muss ich einen Zaun bauen, damit die Ziegen nicht auf mein Land kommen?
Wir haben im Tessin ein Ferienhaus mit ca. 5000 m2 (stotzigem) Land, das ausser einem kleinen Garten nicht eingezäunt ist. Unser Tessiner Nachbar besitzt Zwergziegen (Anzahl variert zwischen 10 und 20) die er das ganze Jahr frei auf die Futtersuche lässt. Sie fressen so ziemlich alles ab. So wachsen keine neuen Kastanienbäume nach und die schöne Magerwiese ist heute weitgehend ohne Blumen. Auch erodiert der Boden im steilen Kastanienwald (ca. 1/3 des Landes). Müssen wir uns das gefallen lassen resp. sind wir gezwungen auf unsere Kosten das ganze Grundstück einzuzäunen?
Der Grundsatz ist meines Erachtens eindeutig: Der Grundeigentümer bestimmt, wie sein Land genutzt wird. Er entscheidet deshalb auch, ob ein Tierhalter das Land als Weide nutzen darf oder nicht. Eine Ausnahme wäre insbesondere dann gegeben, wenn Ihr Grundstück mit einem Servitut belastet ist, wonach einem Dritten das Weiden des Viehs gestattet werden muss. Auskunft darüber, ob ein solches Servitut besteht, gibt das Grundbuch. Wenn der Ziegenhalter kein solches Recht besitzt, hat er (und nicht Sie!) durch eine Einzäunung auf seinem Land oder andere Hütemassnahmen dafür zu sorgen, dass die Tiere nicht auf Ihr Gelände gelangen. Tut er dies nicht, könnten Sie gerichtlich Ihren Anspruch durchsetzen. In verschiedenen Gemeinden ist zudem das Weidenlassen auf fremden Grundstücken in Flur- oder Polizeireglementen ausdrücklich verboten und wird als Übertretung mit Busse bestraft. Sollte dies auch in Ihrer Tessiner Gemeinde der Fall sein, könnten Sie den Sachverhalt bei der zuständigen Behörde anzeigen. Mit Blick auf eine gute Nachbarschaft scheint es aber sicher zweckmässig, mit den Nachbarn das Gespräch zu suchen und eine einvernehmliche Lösung zu finden. Möglicherweise ist es ihnen gar nicht bewusst, dass Sie die Ziegen stören.
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Wie transportiere ich meine Ziegen?
Wir ziehen um und ich benötige Transportboxen für meine 13 Ziegen. Können sie mir sagen, wo ich diese mieten kann?
Wo Sie Transportboxen für Ziegen erhalten, wissen wir leider nicht. Für den privaten Transport und «normale» Distanzen eignen sich aber sog. Kleinviehanhänger wohl besser. Diese sind auf den Tiertransport ausgerichtet und lassen sich an verschiedenen Orten mieten (und kaufen).
Bei der Suche nach geeigneten Anbietern in Ihrer Nähe hilft sicher auch das Internet. Für den Transport der 13 Ziegen mit einem Anhänger sind vermutlich zwei Fahrten notwendig. Denn das Tierschutzgesetz schreibt Mindestflächen pro Ziege vor (vgl. Ratgeber Rubrik Ziegenrecht). Die Ziegen müssen während des Transports stehen und liegen können. Der Platz sollte aber auch nicht allzu grosszügig bemessen werden, damit die Tiere in Kurven nicht herumgeschleudert werden.
Zur Sicherheit der Tiere muss zudem der Boden des Anhängers rutschfest und eingestreut sein.
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Können Ziegen mit akustischen Signalen ferngehalten werden?
Bei mir kommen regelmässig Ziegen in meinen Garten und fressen alles kahl. Was ist die beste (und optisch vertretbare) Abwehr? Funktionieren Bewegungsmelder mit akustischen Signalen?
Der beste Schutz ist und bleibt ein guter Zaun. Akustische oder andere Abschreckmechanismen, die für das «nichtziegenartige» Umfeld erträglich sind, würden wohl die Ziegen nur kurzfristig fernhalten. Ziegen sind in der Regel sehr gewitzt und würden sich deshalb von Ihrer Installation nicht lange abschrecken lassen, wenn in Ihrem Garten ja offenbar so attraktives «Ziegen-Futter» wächst.
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Können Ziegen gemeinsam mit Schafen gehalten werden?
Die gemeinsame Haltung von Ziegen und Schafen ist zwar immer wieder anzutreffen. Nach Möglichkeit sollten Schafe und Ziegen jedoch nicht auf derselben Weide gehalten werden. Schafe sind starke Wurmträger. Sie scheiden grosse Mengen an Wurmeiern aus, die den empfindlicheren Ziegen grösseren Schaden zufügen können. Eine intensive Anwendung von Entwurmungsmitteln führt zudem zu Resistenzen. Dem Vernehmen nach ist die Parasiten-Empfindlichkeit etwas weniger ausgeprägt, wenn die Ziegen bereits inmitten von Schafen aufgewachsen sind. Aber auch diese Ziegen werden auf einer Schafweide mit grösseren Parasitenproblem kämpfen wie bei einer getrennten Haltung.
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Wie gross muss ein Ziegenstall sein?
Die Grösse eines Stalles hängt von verschiedenen Faktoren ab, insbesondere von der Zahl der Tiere und von der Möglichkeit des Auslaufs im Freien. Die Minimalwerte liegen bei rund 1.5 m2 Stallfläche pro Ziege. Bei einer kleinen Zahl an Ziegen sollten jedoch mindestens 3m2 Stallpfläche pro Ziege vorhanden sein. Zudem sind erhöhte Liegebretter anzubringen, was zusätzliche Bewegungsfläche bringt. Weiterer Raum muss im Laufstall für die Futterraufen eingeplant werden. Deren Länge richtet sich wiederum nach der Zahl der Tiere, wobei minimal von 0.3m (besser mehr) pro Ziege auszugehen ist. Die optimale Höhe des Stalles liegt bei rund 2.5-3m.
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Welche Probleme entstehen durch Auslaufmangel bei Ziegen?
Mein Nachbar hat einen wunderschönen Ziegenbock,der auf einem grossen eingezäumten Wiesengrund gehalten wurde,bis er vor vier Tagen ausgerissen ist. Jetzt muss er dafür den ganzen lieben langen Tag u. Nacht in seinem kleinen Unterstand verbringen. Ist eingesperrt.Wird jeden Morgen vom Besitzer versorgt.Meine Sorge ist der Auslaufmangel u. die Wärme oder ist das alles so i.O.?
Ohne die Verhältnisse vor Ort und die Betreuung im Detail zu kennen (genaue Grösse und Bauart, Einstreu und Reinigung des Unterstandes), scheinen mir die beschriebenen Verhältnisse für den Ziegenbock nicht geeignet. Sein Auslauf muss auf Dauer wieder gewährleistet werden. Wer einen Ziegenbock halten will, sollte auch für einen geeigneten, robusten Zaun besorgt sein. Ebenso wichtig für eine artgerechte Haltung ist es, dass das Tier nicht alleine gehalten wird. Ein Herdentier wie die Ziege ist absolut nicht für die Einzelhaltung geeignet. Böcke werden zwar nicht selten von der Herde abgetrennt gehalten. Sie müssen aber zumindest Sichtkontakt zu ihren Artgenossen haben.
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Können Ziegen mit Hühnern in einem Freilauf gehalten werden?
Die gemeinsame Haltung von Ziegen und Hühnern ist problematisch. Hühner übertragen im Auslauf Milben auf Ziegen. Ziegen sollten zudem kein Hühnerfutter fressen, da dessen Zusammensetzung für sie sehr ungesund ist (hoher Kalkgehalt!). Eine weitere Gefahr besteht durch die mögliche Verunreinigung des Ziegenfutters durch Hühnerkot. Hier lauern für die Ziegen (tödliche) Krankheitserreger. Wer dennoch nicht auf eine gemeinsame Haltung verzichten will, sollte zumindest auf klar getrennte Futter- und Schlafstellen achten.
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Brauchen meine Ziegen im Winter Unterhaltung?
Ich habe meine zwei Ziegen erst seit Mai. Was kann ich ihnen zum Spielen im Stall anbieten, wo doch jetzt die kalte Winterzeit beginnt?
(Zwerg-)Ziegen brauchen und wollen kein grosses Unterhaltungsprogramm. Sie sollten aber auch im Stall über Klettermöglichkeiten verfügen. Dazu können erhöhte Liegeflächen auf verschiedenen Ebenen dienen, die ohnehin in jeden guten Ziegenstall gehören. Das regelmässige Abnagen von frischen Tannenästen ist ebenfalls eine gute und vor allem auch gesunde Unterhaltung für Ihre Ziegen. Helle Begeisterung werden Sie auch mit einem Apfelbaumast auslösen, dessen Rinde in der Regel mit Inbrunst "abrasiert" wird.
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Was muss ich bei der Zwergziegenhaltung besonders beachten?
Ich spiele mit dem Gedanken meinen Garten von einer oder zwei Zwergziegen beweiden zu lassen. Meine Fragen: Kann man eine Zwergziege alleine halten oder schreit sie dann ununterbrochen? Wieviel Quadratmeter Weidefläche muss man pro Ziege berechnen?
Es ist sehr zu begrüssen, dass Sie sich diese Gedanken vor der Anschaffung der Tiere machen. Zunächst ist festzuhalten, dass eine Ziege nicht alleine gehalten werden darf. Sie bräuchten deshalb mindestens zwei Zwergziegen. Hinsichtlich Ihrer zweiten Frage machen Sie keine Angaben zum Umfang Ihres Gartengeländes. Grundsätzlich genügt ein Garten mittlerer Grösse zum Ausleben der nötigsten Bewegungsbedürfnisse der zwei Tiere. Er wird allerdings mehr als Laufhof denn als Weide dienen. Das Futter müssten Sie deshalb praktisch vollständig zukaufen. Leider geben sich angehende Ziegenhalter allzu oft der Illusion hin, dass mit einigen Quadratmetern Ziergras der Hunger der Tiere gestillt und der Rasenmäher eingespart werden könnte. Weitere Fragen, die sich angehende Ziegenhalter stellen sollten, finden Sie im Ziegen-Ratgeber.
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Wie kann ich meine Ziegen mit Pferden unterbringen?
Als absoluter Ziegenneuling habe ich einige Fragen, um fest zu stellen, ob Ziegenhaltung für uns überhaupt in Frage kommt. Ich hoffe, dass Sie mir weiterhelfen können. Wir haben zwei Pferde und unsere Weiden haben recht viel "Unkraut". Es handelt sich vor allem um Ampfer, Brennesseln, Hahnenfuss und in einigen Teilen auch Schachtelhalm. Meine generelle Frage ist, ob Ziegen solche Unkrautvernichter sind und diese Pflanzen überhaupt fressen (dürfen?) oder, ob sie genau so gut erstmal das Gras fressen und wenn nichts mehr da ist auch diese Pflanzen anrühren. Würde sie auch Geilstellen der Pferde mit abfressen? Wie sieht es mit der Haltung im Winter aus? Unsere Pferde leben im Winter im Offenstall mit Paddock und z.T. befestigten Wegen zum Bachlauf als Tränke. Ausserdem lassen wir einen kleinen Teil zur Matschkoppel werden. Könnten die Ziegen auch mit im Matsch laufen und aus dem Bach trinken? Wie viel Heu muss ich für zwei Ziegen bei alleiniger Heufütterung im Winter rechnen? Würden die auch das "Pferdeheu", also spät bis sehr spät geschnittenes Heu fressen, oder sollten wir besser früher geschnittenes Heu verfüttern? Wie ist das mit dem Mist? Kann ich den genau wie bei den Pferden verrotten lassen und dann in den Garten fahren, oder muss ich mit vermehrtem Unkrautwuchs oder sogar möglicher Krankheitsübertragung o.ä. rechnen? Mein Mann hat von einem Arbeitskollegen Ziegen angeboten bekommen, die im Winter nur einen Minimalunterstand hatten. Also Boden, Dach und zwei Wände mit Einstreu, gerade so gross, dass es für zwei bis drei Ziegen reicht. Wäre so was ok, oder ist es sinnvoller einen festen Stall zu haben mit Betonboden und Einstreu, Futterplätzen, Schlafplätzen? Ich würde mich freuen, wenn Sie mir meine Fragen beantworten.
Ziegen und Pferde verstehen sich auch auf der Weide gut und können deshalb problemlos gleichzeitig gehalten werden. Ein Grund für die gemeinsame Haltung ist gerade die von Ihnen angestrebte bessere Beweidung der Flächen. Ziegen sind gute Weidepfleger, wenn auch natürlich keine Rasenmäher. Als Feinschmecker wenden sich zunächst den beliebtesten Kräutern zund Gräsern zu. Interessanterweise können die Präferenzen durchaus verschieden sein. Ampfer wird gefressen. Auch Schachtelhalm ist für Ziegen verträglich. Hahnenfuss ist hingegen in grösseren Mengen für Ziegen giftig. Brennnesseln sind zwar gut verträglich. Sie werden aber unterschiedlich aufgenommen, wobei auch der Wachstumsstand offenbar einen Einfluss hat. In jeden Fall lieben Ziegen die getrockneten Brennnesseln. Ziegen können gut aus dem Bach trinken. Der Matsch ist hingegen ein Problem. Wenn sie sich zu lange darin aufhalten müssen, besteht die Gefahr von Klauenerkrankungen. Ziegen sollten unseres Erachtens zumindest von Oktober bis April einen Zugang zu einem geschlossenen Stall haben, der eingestreut ist (ausser auf den Liegeflächen). Es ist allerdings so, dass Ziegen teilweise auch ganzjährig im Offenstall gehalten werden. Robuste Tiere und Rassen können dies verkraften. In diesem Fall muss der Unterstand (wie der Stall) sauber, trocken und windgeschützt sein. Er sollte eine genügende Grösse haben, damit sich die Tiere in regnerischen Tagen und im Winter bewegen können, ohne im Wetter zu stehen. Die Tiere müssen zudem an diese Haltungsform gewöhnt werden, d.h. eine Umstellung sollte nicht erst im Herbst oder gar Winter stattfinden. Wir gehen von einer Heumenge von rund 500kg pro Ziege und Jahr aus. Der erste Schnitt wird wesentlich besser gefressen wie spät geschnittenes. Bei Letzterem muss mit mehr Ausschuss und dadurch mit einem höheren Bedarf gerechnet werden. Den Mist können sie problemlos verrotten lassen. Er gibt sehr guten Dünger für Ihren Garten. Er weist im Vergleich zum Dung anderen Tierarten einen höheren Nährstoffgehalt auf.
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Wie lange werden Ziegen in der Bio-Zucht gehalten?
Mich interessiert, wie lange Ziegen ungefähr in der Bio-Zucht gehalten werden. Ich habe nur herausgefunden, dass sie in Intensivhaltung ca. 4-5 Jahre alt werden und dann geschlachtet werden.
Richtlinien zur Nutzungsdauer von (Milch-)Ziegen in der biologischen Ziegenhaltung bestehen unseres Wissens nicht. Die Nutzungdauer von Milchziegen liegt zwischen 4-8 Jahren. Die vier Beratungsstellen Bioland-Beratung, Beratung Argerecht Tierhaltung e.V., Bio Austria und FiBlL gehen in einem gemeinsamen Managementleitfaden zur Milchziegenhaltung im Biobetrieb von einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von fünf Jahren für Ziegen und von drei Jahren für Böcke aus.
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Brauchen neugeborene Zicklein eine Wärmelampe?
Seit 1 Jahr haben wir 4 Poitevine Ziegen, 2 oder 3 davon müssten nun trächtig sein. Ein Bock hat sie im vergangenen Jahr November belegt. Wir sind quasi noch Ziegen-Besitzer-Einsteiger...Zur Zeit haben wir abends/nachts ca. 12 - 14 Grad minus und wir haben zunehmen ein komisches Gefühl, es könnte unseren Ziegen nun doch zu kalt sein, da sie vorrübergehend in einem gut ausgebauten Bauwagen untergebracht sind. Der Bauwagen ist innen mit Holz verkleidet, es ist eine Holzetage zum schlafen montiert und der Stall ist mit Stroh und Einstreu gut ausgestattet. Vor dem Bauwagen stehen den Ziegen ca. 2500 qm Auslauf zur Verfügung. Unsere Ziegen bekommen 2 mal am Tag lauwarmes Wasser zum Trinken, Heu, Karotten und etwas Kraftfutter. Morgens bevor es zu Fressen gibt zittern sie etwas, danach ist es weg und wir überlegen nun, ob es gut ist, vorrübergehend eine Wärmelampe (100Watt) mit einer Batterie 12V 60A im Bauwagen zu montieren, damit es ein klein wenig Wärme abstrahlt. Wie ist Ihre Meinung dazu? macht das mit der Wärmelampe Sinn oder haben Sie evtl. eine andere Idee?
Es klingt so, als machten Sie alles richtig! Tiefe Temperaturen sind für Ziegen zwar unangenehm, doch gesunde Tiere überstehen sie gut – das gilt besonders für die robusten Poitevine-Ziegen. Entscheidend ist, dass der Stall trocken und zugfrei bleibt, das Trinkwasser nicht zu kalt oder gar gefroren ist und genügend Raufutter sowie Einstreu zur Verfügung stehen. Gerade im Winter sollte auch die Luftqualität im Stall nicht vernachlässigt werden. All das scheint bei Ihrer Unterbringung gewährleistet zu sein.
Auf eine Wärmelampe würde ich verzichten. Sie kann für Lämmer in einer abgegrenzten Box hilfreich sein, vor allem wenn diese geschwächt sind – für erwachsene Tiere ist sie jedoch wenig geeignet. Auch andere aktive Wärmequellen sind bei gesunden Ziegen nicht nötig. Die Tiere können sich bis zu einem gewissen Grad an die Kälte anpassen. Starke Temperaturschwankungen zwischen drinnen und draussen verhindern diese Anpassung und erhöhen die Anfälligkeit. Je nach Wandstärke des Bauwagens liesse sich für kommende Winter überlegen, die Wände besser zu isolieren. Das kann dazu beitragen, dass die nächtlichen Temperaturen in einem für die Ziegen gut erträglichen Bereich bleiben.
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Kann ich meine Ziegen im Winter draussen halten?
Kann ich meine Burenziegen im mitteleuropäischen Winter tagsüber auf einer Wiese mit einem Unterstand draussen halten? Wann ja, bis zu wieviel Grad unter Null?
Bei sinkenden Temperaturen ist es für die Gesundheit der Tiere besonders wichtig, dass sie jederzeit einen trockenen und zugfreien Rückzugsort haben. Ein offener Unterstand bietet diesen Schutz in der Regel nicht. Ich würde Ihnen empfehlen, den Unterstand im Winter mit Brettern oder Planen abzudecken, damit die Ziegen auch tagsüber einen windgeschützten Platz vorfinden.
Temperaturen leicht unter dem Gefrierpunkt vertragen Ziegen ohne Weiteres – Burenziegen sind dabei besonders robust, Milchziegen etwas empfindlicher. Zu beachten ist allerdings, dass bei Kälte der Futterbedarf steigt. Ab welchen Minustemperaturen die Gesundheit ernsthaft Schaden nimmt, lässt sich pauschal nicht sagen. Da sich Ihre Ziegen nachts – wenn es am kältesten ist – im Stall aufhalten, sollten sie einen normalen Winter aber gut überstehen.
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Braucht meine Zwergziege einen Mantel?
Ich habe eine Zwergziege die etwas «unterentwickelt» ist,sie ist sehr dünn und muss zugefüttert werden. Aufgrund ihrer Gewichtsprobleme friert sie bei diesen kalten Temperaturen,soll ich ihr einen Mantel für Hunde umhängen oder ist das schädlich?
Schädlich ist ein (Hunde-)Mantel für Ziegen wohl nicht. Sie benötigen diesen Wärmeschutz im Normalfall aber nicht. Empfehlenswert ist ein Tiefstreustall, der Wärme vom Boden her abgibt. Wichtig ist vor allem, dass der Stall trocken und zugfrei ist. Dann können auch tiefe Temperaturen gut überstanden werden. Lediglich Neugeborene können kälteempfindlich reagieren. Es empfiehlt sich deshalb, in den ersten Tagen eine Wärmlampe einzusetzen. Das Geld für den Mantel würde ich stattdessen eher in einen Tierarztbesuch investieren. Dieser sollte der Ursache nachgehen, weshalb das Tier derart dünn und schwächlich ist.
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Wo kann ich Transportboxen für meine Ziegen mieten?
Wir ziehen um und ich benötige Transportboxen für meine 13 Ziegen. Können sie mir sagen, wo ich diese mieten kann?
Wo Sie Transportboxen für Ziegen erhalten, wissen wir leider nicht. Für den privaten Transport und «normale» Distanzen eignen sich aber sog. Kleinviehanhänger wohl besser. Diese sind auf den Tiertransport ausgerichtet und lassen sich an verschiedenen Orten mieten (und kaufen). Bei der Suche nach geeigneten Anbietern in Ihrer Nähe hilft sicher auch das Internet. Für den Transport der 13 Ziegen mit einem Anhänger sind vermutlich zwei Fahrten notwendig. Denn das Tierschutzgesetz schreibt Mindestflächen pro Ziege vor (vgl. Ziegentransport). Die Ziegen müssen während des Transports stehen und liegen können. Der Platz sollte aber auch nicht allzu grosszügig bemessen werden, damit die Tiere in Kurven nicht herumgeschleudert werden. Zur Sicherheit der Tiere muss zudem der Boden des Anhängers rutschfest und eingestreut sein.
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Worauf muss ich bei Tiefstreu im Winter achten?
Ist es nicht unhygienisch, die Einstreu für den Winter einfach aufzuschichten? Entsteht durch den Urin nicht Nässe, die bei tiefen Temperaturen gefriert?
Das Tiefstreuverfahren ist keineswegs unhygienisch, wenn es richtig angewendet wird. Entscheidend ist, dass die oberste Schicht stets frisch und saugfähig bleibt, damit die Ziegen nicht in der Nässe stehen oder liegen. Stroh und Häckselstreu lassen sich dabei gut kombinieren, sofern Sie von beidem genügend haben. In einem kleinen, übersichtlichen Stall wie Ihrem würde ich allerdings empfehlen, grobe Verunreinigungen regelmässig zu entfernen. Bei wenigen Tieren auf begrenztem Raum wächst die Strohmatratze sonst zu schnell in die Höhe.
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Kann ich eine Ziege in den Urlaub mitnehmen?
Wir (3 Jungs, 25 Jahre) planen Mitte August 08 eine Wanderung von St. Gallen ins Bündnerland. Dabei haben wir uns gedacht, es wäre schön eine Ziege dabei zuhaben. Ich habe kürzlich mit einem Ziegenhirten gesprochen der meint, es wäre kein grosses Problem, die Tiere seine sehr zutraulich. Was denken sie darüber, und dauert es lange eine Ziege an sich zu gewöhnen? Wir würden mit dem Lauftempo natürlich Rücksicht nehmen (wenn nicht die Ziege auf uns Rücksicht nehmen muss ;-)).
Wandern mit Ziegen ist sehr gut möglich. Ziegen sind sehr ausdauernd und leicht zu erziehen. Sie eignen sich deshalb auch als Packtiere. Es gibt mittlerweile verschiedene Ziegenbetriebe, die Ziegentrekking anbieten. Dringend Abraten möchte ich von der Idee, eine x-beliebige Ziege für Ihre Wanderung auszuleihen. Sie werden ihr die ganze Zeit nachrennen müssen und Ihr Ziel im Bündnerland kaum erreichen. Eine Vertrauensbasis mit dem Tier baut sich nicht in wenigen Wochen auf. Packziegen werden zudem von klein auf an ihre Arbeit gewöhnt und nicht jede Ziege ist von ihrem Temperament her dafür geeignet.
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Muss ich meine Ziegen regelmässig putzen?
Ich habe mir vor zwei Wochen zwei Zwergziegen zugelegt ( beides Weibchen ). Ich habe mir letztens so überlegt, ob ich eine Ziege putzen muss oder sonst bei der Hygiene auf irgendetwas achten muss. I
Die Tiere sind grundsätzlich so sauber wie ihr Umfeld. Entscheidend für ihre Hygiene und Gesundheit sind deshalb ein sauberer Stall mit einem guten Klima (Luft und Licht), qualitativ gutes Futter und ein angemessenes Weidemanagement (keine verkoteten und überweideten Flächen). Sinnvoll ist zudem das regelmässiges Bürsten der Ziegen. Dies dient der Fellpflege und erleichtert das rechtzeitige Erkennen von Verletzungen und Parasiten. Das Waschen der Tiere ist hingegen nur bei ausserordentlichen Verunreinigungen, vor Ausstellungen oder bei gewissen Behandlungsmethoden zur Bekämpfung von Parasiten angezeigt. Manche Ziegenhalter machen es dennoch öfters. Schaden tut es auf jeden Fall nicht, wenn es in der wärmeren Jahreszeit geschieht.
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Was kann ich unternehmen, dass meine Ziegen «friedlicher» werden?
Ich habe sechs Ziegen. Meine älteste Ziege geht immer wieder auf die anderen los, schubst und boxt sie. Das sieht manchmal richtig böse aus. Was kann ich tun?
Ziegen sind Herdetiere. Innerhalb der Herde gibt es starke Hierarchien, die mit körperlichem Einsatz verteidigt werden. Auch wenn die Rangeleien nicht immer schön aussehen, lassen sie sich nicht vermeiden. Solange ein normales Mass nicht überschritten wird, sollte sie hingenommen werden. Irgendwo las ich dazu den sinnigen Spruch, dass wenn von einer Herde immer die «böseste» Ziege weggeben würde, am Ende nur noch ein Tier im Stall stände. Der Ziegenhalter ist aber dennoch in der Pflicht, für die rangniederen Tiere besonders zu sorgen. Zum Schutz der Tiere sollte insbesondere eine Mischung von gehörnten und ungehörnten Ziegen vermieden werden. Im Stall ist auf genügend Raum zu achten, insbesondere auch auf Liegebretter, die Rückzugsmöglichkeiten bieten. Zudem sollte der Eingang in den Stall genügend gross sein. Ideal sind zwei Eingänge. Wichtig ist auch, dass die Futterabgabe zeitlich oder räumlich so gestaltet wird, dass alle Ziegen genügend zum Fressen kommen.
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Eignen sich Ziegen für die Pflege von Grünflächen zwischen Wohnblöcken?
Ich bin Student an der Fachhochschule für Landwirtschaft . Im Rahmen einer Arbeit, die ich derzeit schreibe, habe ich Fragen an Sie. Ziel der Arbeit ist es, herausfinden, inwiefern Ziegen für die Pflege von Grünflächen zwischen Wohnblöcken geeignet sind. Die Idee ist, dass ein nahegelegener Betrieb 40 - 50 Biomilchziegen halten soll, die zum grössten Teil auf den Grünstreifen innerhalb der Überbauung weiden. Insgesamt sind es 5 Grünstreifen (jeweils 0-7-1ha), wodurch ca. alle 7 Tage gewechselt werden würde. Meine Fragen:
Gibt es für Ziegen fahrbare Melkstände?
Uns sind für Ziegen lediglich mobile Melkstände der „Marke Eigenbau" bekannt. Ansonsten gibt es mobile und kostengünstige Kannenmelkanlagen, die aber nur für Herden bis zu 30 Tieren geeignet sind (vgl. Rubrik Ziegenbedarf). Grössere Herden sollten im Melkstand gemolken werden.
Angenommen die Weide ist 100m entfernt. Kann man zu zweit die Herde wie Kühe zum Melkstand treiben, ohne grössere Absperrungen? Oder ist das Reissausrisiko grösser als bei den Kühen?
Wenn nicht eine grössere Strasse in der Nähe ist, können zwei Personen mit etwas Übung ohne weiteres die Ziegen zum Melkstand bringen. Ziegen sind allerdings Ausbruchskünstler erster Klasse und mit Kühen nicht zu vergleichen! Diesem Umstand ist in einem bewohnten Gebiet vor allem mit einer sicheren Zaungestaltung Rechnung zu tragen.
Die Ziegen würden direkt zwischen den Wohnblöcken weiden. Besteht ein hohes Lärmrisiko?
Ausserhalb der Brunst sind (zufriedene) Ziegen im Normalfall ruhige Tiere (z.B. im Vergleich zu Schafen). Bei einer Herde von 50 Ziegen wäre aber eine gelegentliche "Meckerkulisse" unvermeidlich.
Vermutlich werden Kinder auf den Weiden spielen, wenn keine Ziegen darauf sind. Besteht die Gefahr von Krankheiten für den Mensch?
Die Gefahr ist zwar klein. Eine Übertragung gewisser Krankheiten ist jedoch möglich (sog. Zonoosen), wobei dies nach unserem Kenntnisstand einen direkten Kontakt mit den Tieren (z.B. Brucellose, Pseudetuberkulose, Milzbrand, Räude, etc.) oder den Genuss von Ziegenprodukten (z.B. Salmenollose, Tuberkulose, Staphylokokken) erfordert.
Liegt bei extensiver Weidung viel Kot, so dass es quasi ausgeschlossen wäre, dass die pausierenden Weiden eventuell als Spielwiese zwischendurch genutzt werden würden?
Das Gelände wird ohne zusätzliches Mähen kaum dem gewohnten Anblick einer Spielwiese bieten. Ziegen sind wunderbare Landschaftspfleger auf unwegsamen Gelände und zur Verhinderung von Verbuschungen. Sie sind aber defintiv keine Rasenmäher für Liebhaber von englischen Gärten. Zudem ist Zier- oder Sportrasen in seiner Zusammensetzung auch als Futter für Ziegen vollkommen ungeeignet.
Im Kapitel der Weidehaltung auf ihrer Seite, raten sie ab von Weidezaunnetzen und empfehlen Zäunen mit 5 Fach-Litze. Gibt es keine Alternativen?
Weidezaunnetze haben durchaus ihre Berechtigung bei raschen Weidewechseln. Aber auch bei einem Litzenzaun sind Varianten möglich, die einen schnellen Auf- und Abbau erlauben und zudem wesentlich weniger Strom benötigen wie ein Weidezaunnetz. Wenn das Projekt auf längere Zeit angelegt ist, wäre auch eine Festzaunvariante zu prüfen, die bezüglich Sicherheit von Tier und Mensch das Optimum bietet.
Die Beantwortung Ihrer Fragen kann hier nur ansatzweise erfolgen. Ziegenweiden in dicht besiedeltem Umfeld haben nicht zu unterschätzende Tücken und offenkundig fehlt Ihnen (noch) die Erfahrung in der Ziegenhaltung. Ich möchte Ihnen deshalb dringend empfehlen, einen erfahrenen Ziegenhalter beizuziehen, wenn Sie Ihre Projektidee weiterentwickeln wollen.
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Wie überzeuge ich eine sture Ziege – und wie setze ich Grenzen?
Ich habe zwei Ziegen, zwei Pferde und zwei Esel. Zu den Fütterzeiten werden die Esel und die Pferde angebunden und die Ziegen in ein Extragehege eingesperrt. Eine der beiden Ziegen ist sehr widerspenstig geworden und weigert sich in das Gehege zu gehen. Die andere Ziege läuft immer freudig dem Futtereimer hinterher. Gibt es einen Trick oder ein besonders leckeres Futtergemisch, das die widerspenstige Ziege davon überzeugen könnte in das Gehege zu gehen? Und noch eine Frage: Was kann ich machen, wenn die widerspenstige Ziege ihre Vorderbeine auf meinen Rücken stellt?
Im Normalfall hat Futter von guter Qualität (unabhängig ob Rau- oder Saftfutter) eine unglaubliche Anziehungskraft auf die Tiere. Bei der einen Ziege scheint dies ja auch zu funktionieren. Kleine Leckerbissen wie zum Beispiel etwas getrocknetes Brot oder einige Maispellets können vorübergehend den Lockruf zusätzlich verstärken bis die «zickige» Phase vorüber ist. Wenn Sie nicht wollen, dass die Ziege ihre Vorderbeine auf Ihren Rücken stellt, hilft nur ein konsequentes Verhalten Ihrerseits. Häufig werden solche «Mätzchen» zu Beginn amüsiert geduldet. Danach müssen sie den Tieren mühsam wieder abgewöhnt werden. Wenn die Ziege entsprechende Anstalten macht, sollten Sie konsequent ausweichen oder das Tier sofort abschütteln, wenn es für ein Ausweichen zu spät ist. In jedem Fall sollte die Ziege jeweils am Tonfall merken, dass Sie «not amused» sind.
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Wie kann ich eine neue Ziege in die Herde integrieren?
Seit längerer Zeit wird eine weibliche Ziege von anderen weiblichen Ziegen (ihre Mutter ist auch darunter) in der Herde drangsaliert, gestossen und sogar so weit unter den Fresstrog gedrängt, dass sie fast erstickt. Was kann ich tun, um sie wieder in die Herde zu integrieren, denn momentan halte ich sie alleine. Vor einem halben Jahr wurde auch ein anderes Tier von seinen Herdengenossen auf diese Weise getötet ( Homöopathie, Phytotherapie?)
Ziegen sind nicht zimperlich bei der Festlegung der Hierarchie. Nach Ihrer Beurteilung wird aber die betroffen Ziege über die Massen stark und seit einiger Zeit geplagt. Dies kann in Einzelfällen vorkommen und muss leider meist mit der Trennung vom übermässig geplagten Tier gelöst werden. Besorgnis erregt aber Ihre Aussage, dass bereits vor einem halben Jahr ein Tier auf diese Weise zu Tode gekommen ist. Dass nun nach so kurzer Zeit wieder ein Tier derart gefährdet ist, lässt darauf schliessen, dass etwas Grundsätzliches nicht stimmt. Primär sollten Sie die Gefahrenherde eliminieren, die bei (normalen) Auseinandersetzungen zu Verletzungen führen können (keine gefangenen Stellen (z.B. unter dem Fresstrog), mehrere Futterstellen, Ausweichmöglichkeiten im Stall, etc.). Ob Ihre Tiere bzw. einzelne Tiere ausserordentlich aggressiv sind und was die Gründe dafür sein könnten, lässt sich aus der Ferne leider beurteilen. Der Einsatz homöopatischer bzw. phytoterapeutische Mittel wäre bei der vorliegenden Konstellation aber wohl nur eine Symptombekämpfung, welche keine grundlegende Verbesserung bringt. Sie sollten vielmehr Herdenstruktur und Haltung insgesamt kritisch hinterfragen.
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Sollte ich den Ziegenweide kalken?
Hallo, habe nur noch 2 Ziegendamen 4+5 Jahre alt. Sollte ich sie prophylaktisch entwurmen? Habe ich bisher gemacht, aber es gibt ja immer mehr Resistenzen. Kann man denn Würmer evtl. im Kot mit blossem Auge sehen? Die zwei kommen tags auf ihre Ziegenweide. Muss ich die irgendwie speziell behandeln, evtl. kalken? Aber wie lange können sie dann da nicht drauf?
Die Zurückhaltung bei der Entwurmung ist mit Blick auf die zunehmende Resistenzbildung tatsächlich angebracht. Wie oft eine Parasitenbekämpfung erforderlich ist, hängt von der Anfälligkeit der Tiere (Alter, Rasse) und der Möglichkeit von regelmässigen Weidewechseln ab. Eine einmalige Entwurmung ist auch bei optimalem Weidemanagement meist unumgänglich, im Idealfall gegen Ende des Jahres im November oder dann gleich im Frühjahr. Im Kot kann ein Parasitenbefall nur teilweise von Auge erkannt werden, insbesondere wenn Durchfall entsteht. Weitere Anzeichen sind ein struppiges Haarkleid, Konditionsverlust und blasse Schleimhäute. Laboruntersuchungen des Kots ermöglichen die weitaus präziseren Angaben und verhindern eine starken Befall, bevor die Erkrankung massiv und augenfällig wird. Bei stark genutzten Weiden ist das Ausbringen von Kalkstickstoff zur Parasitenbekämpfung sehr empfehlenswert. Gleichzeitig wird das Wachstum der Wiese gefördert. Als idealer Termin gilt das zeitige Frühjahr, wenn die erste Wärme auf den Boden kommt und die Forsythienblüte beginnt. Die Tiere sollten nach dem Ausbringen des Kalkstickstoffs rund drei Wochen nicht auf die Weide gelassen werden.
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Wie richte ich eine Ziegenweide richtig ein?
Wir haben kürzlich 3 Saanenziegen gekauft. Einen Unterstand mit Futterraufe haben wir schon gebaut. Nun geht es, um den richtigen Stall für den Winter zu bauen. Könnten Sie uns hierbei etwas mit Rat zur Seite stehen? (Gebäude ist 5m breit, 12m lang, Raumhöhe 2,50m).
Bestehende Gebäude werden recht häufig für Ziegenställe umgenutzt. Ihr Gebäude scheint vom Platzangebot für drei Ziegen sehr attraktiv. Wichtig ist aber auch, dass genügend Fensterflächen vorhanden sind, damit Licht und Luft in den Stall kommt. Kippbare und mehrstufig verstellbare Fenster sind besonders gut geeignet. Allenfalls ist auch noch zusätzlich ein Entlüftungsschacht an der Decke anzubringen. Durchzug ist jedoch zu vermeiden. Im Gebäudeinnern darf es nicht feucht sein. Eine Isolation hilft, dass im Winter kein Schwitzwasser entsteht. Ziegen wechseln gerne den Fressplatz, weshalb Fresströge bzw. -raufen an mindestens zwei Orten geplant werden sollten. An der Wand sind Liegebretter vorzusehen. Ein Boden aus Beton erleichtert das Ausmisten. Generell sollte der Stall derart eingerichtet sein, dass die Reinigungsarbeiten möglichst einfach vorgenommen werden können (leichte Zugänglichkeit sämtlicher Stellen). Damit wird nicht nur Ihre Zeit geschont, sondern auch die Stallhygiene besser sichergestellt. Sie müssen sich schliesslich noch entscheiden, ob sie einen Tiefstreustall wollen. In jedem Fall sind die Liegeflächen (mit Ausnahme der Liegebretter) einzustreuen. Allenfalls wollen Sie noch einen Melkstand einrichten, der Ihnen die Arbeit erleichtert. Vor dem Stall wird im Idealfall ein direkter Auslauf vorgesehen, damit die Tiere regelmässig ins Freie können. Lassen Sie sich bei Ihrer weiteren Planung auch von anderen Ziegenställen inspirieren.
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Ab wann ist Ziegenhaltung wirtschaftlich?
Dazu lassen sich keine allgemeinen Werte angeben. Die Wirtschaftlichkeit der Ziegenhaltung muss vielmehr jeder Ziegenhalter, der Ziegen im Haupt- oder Nebenerwerb halten will, individuell ausrechnen. Für die Berechnung der Wirtschaftlichkeit sind insbesondere folgende Fragen zu beantworten: Wie hoch ist die Milchleistung und damit die anfallende Milchmenge? Welche Absatzmöglichkeiten und -preise bestehen? Können die Futtermittel selber erzeugt werden oder müssen sie ganz oder teilweise zugekauft werden? Gibt es staatliche Zuschüsse? Müssen Lohnkosten für Personal einberechnet werden? Welche Investitionen in die Infrastruktur sind notwendig (Stall, Melkanlage, etc.)?
Für die (haupt-)erwerbsorientierte Ziegenhaltung bedarf es auf jeden Fall einer bestimmten Herdengrösse, die nicht unter 60 - 70 Tieren liegt. Studien haben allerdings ergeben, dass die Wirtschaftlichkeit nicht unbegrenzt mit der Anzahl Tiere steigt. Je nach Absatzmöglichkeit und Lohnkosten kann die Wirtschaftlichkeit sogar deutlich abnehmen. Familienbetriebe schneiden zudem bei den Berechnungen eher besser ab, aufgrund fehlender oder geringerer Lohnkosten. Eine erfolgreiche Selbstvermarktung der Produkte erhöht ebenfalls die Wirtschaftlichkeit deutlich.
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Was kann man gegen den Ziegengeruch in der Nachbarschaft tun?
Unser Nachbar hält in einer Wohnsiedlung drei Ziegen. Der Ziegengeruch luftet direkt auf unseren Balkon und wir können uns wegen des starken Geruchs nicht auf dem Balkon aufhalten. Unsere Wäsche können wir ebenfalls nicht draussen trocknen und Fenster müssen geschlossen bleiben. Darf der Nachbar Ziegen halten, so dass die anderen Nachbarn dadurch in der Freizeit eingeschränkt sind? Was kann der Ziegenhalter gegen den Gestank tun?
Grundsätzlich ist der Ziegenhalter verpflichtet, dafür zu sorgen, dass seine Nachbarn nicht übermäßig durch Lärm oder Gerüche beeinträchtigt werden. Diese Pflicht ergibt sich aus dem Nachbarrecht und gilt in Wohngebieten in besonderem Maß. Wenn durch die Tierhaltung die Nutzung des eigenen Balkons, das Trocknen von Wäsche oder das Lüften der Wohnung erheblich eingeschränkt wird, liegt in der Regel keine zumutbare Beeinträchtigung mehr vor. In einem solchen Fall kann der Halter rechtlich dazu angehalten werden, Abhilfe zu schaffen.
Wichtig ist dabei festzuhalten, dass Ziegen an sich nicht zwangsläufig stark riechen müssen. Eine erhebliche Geruchsbelästigung ist meist nicht auf die Tiere selbst, sondern auf mangelhafte Haltung und unzureichende Pflege zurückzuführen. Bei sachgerechter Betreuung lassen sich Ziegen durchaus so halten, dass sie für die Nachbarschaft kaum wahrnehmbar sind.
Entscheidend ist zunächst die regelmäßige Reinigung des Geheges und des Stalles. Wenn sich die Tiere ständig auf derselben Fläche aufhalten, sammeln sich Kot und Urin rasch an, was zu intensiver Geruchsbildung führt. Diese Rückstände müssen in kurzen Abständen entfernt werden, ebenso wie verschmutzte Einstreu im Stall. Hinzu kommt, dass die Fläche nicht übernutzt sein darf. Sind zu viele Tiere auf engem Raum untergebracht, lässt sich selbst mit guter Pflege eine Geruchsbelastung kaum vermeiden. Auch die Lagerung von Mist spielt eine große Rolle: Ein Misthaufen in unmittelbarer Nähe von Wohnhäusern entwickelt zwangsläufig starke Gerüche und sollte daher regelmäßig abtransportiert werden, etwa zu einem landwirtschaftlichen Betrieb oder einer Kompostierungsanlage.
Ein weiterer, häufig unterschätzter Faktor ist die Haltung von Ziegenböcken. Diese sondern insbesondere während der Brunft einen sehr intensiven, stechenden Geruch ab, der in dicht bebauten Wohngebieten für Anwohner kaum zumutbar ist. In solchen Lagen sollte daher grundsätzlich auf die Bockhaltung verzichtet werden.
Wenn diese grundlegenden Anforderungen eingehalten werden, sollte der Geruch von Ziegen für Nachbarn höchstens bei sehr ungünstigen Wetterlagen kurzzeitig wahrnehmbar sein, nicht jedoch dauerhaft und in einer Weise, die die Lebensqualität beeinträchtigt. Zeigt der Halter keine Bereitschaft, die Situation zu verbessern, ist es ratsam, zunächst das Gespräch zu suchen und sich andernfalls an die zuständige Gemeindeverwaltung oder das Ordnungs- bzw. Veterinäramt zu wenden, um eine Überprüfung der Haltungsbedingungen zu veranlassen.
