Ziegen-Gesundheit
Woran erkenne ich Gesundheitsstörungen?
Wenn sich das Verhalten eines Tieres plötzlich ändert, gilt es genau hinzusehen. Schmerzen äussern sich häufig durch wiederholtes Hinlegen und Aufstehen in steter Folge oder durch Zähneknirschen. Auch Fressunlust und Teilnahmslosigkeit sind typische Warnsignale, ebenso ein stumpfes, struppiges Haarkleid oder trockener Husten.
Schwanken und Lahmen deuten auf Probleme mit dem Bewegungsapparat oder dem Kreislauf hin. Fehlende Pansengeräusche weisen auf Verdauungsstörungen hin – normalerweise sollten bei gesunden Tieren etwa zwei Geräusche in drei Minuten hörbar sein, wenn man das Ohr an die linke Flanke hält.
Auch die Ohren geben Aufschluss über den Gesundheitszustand: Sind sie auffällig kalt oder heiss statt angenehm warm, kann dies auf Kreislaufstörungen hindeuten.
Schliesslich sollte auch die Beschaffenheit des Kots regelmässig beobachtet werden – Abweichungen von der üblichen Konsistenz sind oft ein frühes Anzeichen für gesundheitliche Probleme
Normalwerte erwachsener Ziegen
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Parmeter |
Normalwert |
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Körpertemperatur |
38,2 – 39,5 °C |
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Herzfrequenz |
70–90 Schläge/Min. |
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Atmung |
20 – 30 Atemzüge/Min. |
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Pansentätigkeit |
2 Geräusche in 3 Min. (Ohr an linke Flanke halten) |
Was kann ich für die Gesunderhaltung tun?
Der Ziegenhalter kann einiges für die Gesunderhaltung tun:
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Fütterung
- Beschränkung kohlenhydratreicher Futtermittel
- Verabreichung von genügend Raufutter (mit guter Qualität) -
- Beachtung des Vitamin- und Mineralstoffbedarfs
- Verzicht auf abrupte Futterumstellungen
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Stall und Hygiene
- Bau eines trockenen und gut belüfteten Stalles
- Sicherstellen der Stall- und Melkhygiene
- Stallhaltung im Winter (Ziegen sind witterungsempfindlicher als andere Weidetiere!)
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Pflege
- Regelmässige Klauenpflege
- Konsequente Parasitenuntersuchung und -behandlung
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Weide
- Vorausschauende Weideplanung
- Vermeidung mastiger Weiden
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Jungtiere
Zureichende Versorgung mit Biest- und Muttermilch
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Allgemein
Vermeidung von Stresssituationen für die Tiere
Vorsicht beim Zukauf
Beim Zukauf neuer Tiere besteht immer die Gefahr, Parasiten und Krankheiten einzuschleppen. Halten Sie neue Tiere deshalb nach Möglichkeit zunächst in Quarantäne, um eine Entwurmung vorzunehmen und allfällige Krankheiten zu erkennen. Beachten Sie auch, dass eine veränderte Herdenstruktur für alle Tiere Stress bedeutet, der sich negativ auf Milchleistung und Gesundheit auswirken kann.
Was gehört in die Stallapotheke?
Jeder Ziegenstall sollte über eine Stallapotheke für die wichtigsten Handgriffe verfügen. Befragen Sie zur geeigneten Zusammenstellung auch Ihren Tierarzt – und stellen Sie sicher, dass Sie alle Geräte und Arzneien richtig anwenden können.
Zur Grundausstattung an Geräten und Hilfsmitteln gehören ein Fieberthermometer, ein Schlundrohr für Blähungen sowie ein Beissholz. Einwegspritzen in verschiedenen Grössen dienen zum Einflössen flüssiger Arzneimittel. Für die Wundversorgung sollten Schere, Pinzette, Messer und Verbandsmaterial bereitliegen. Unverzichtbar sind zudem ein Klauenbesteck, ein Klauenschuh für verletzte Füsse sowie Einweghandschuhe.
Bei den Heilmitteln und Arzneien empfehlen sich Jodtinktur, Wunddesinfektionsspray und Wundsalbe für Verletzungen. Kampfersalbe hilft bei Entzündungen, Schwellungen und Verstauchungen. Gegen Durchfall sollten Kohletabletten oder ein vergleichbares Mittel vorhanden sein. Eine durchblutungsfördernde und entzündungshemmende Eutersalbe gehört ebenso dazu wie ein Insektizid gegen Fliegen, Bremsen und andere Aussenparasiten. Je nach aktueller Behandlung oder auf Empfehlung des Tierarztes können weitere Heilmittel sinnvoll sein.
Um Panikreaktionen zu vermeiden, sollten Einzelbehandlungen in Sicht- und Hörkontakt zur Herde erfolgen. Halten Sie die Apotheke entsprechend vor Ort bereit.
Impfungen
Für Ziegen sind nur wenige Impfstoffe registriert (Stand: BGK Forum 3/2010). Gegen Lippengrind existiert ein Impfstoff, der allerdings nur ausserhalb der Trächtigkeit angewendet werden darf. Ein Kombinationsimpfstoff schützt gegen die Breinierenkrankheit (Enterotoxämie) und Pasteurellose, wobei ein wirksamer Schutz gegen Breinieren eine Wiederholungsimpfung alle sechs Monate erfordert. Der Tollwut-Impfstoff ist zwar registriert, wird aber aufgrund der geringen Tollwutgefahr kaum angewendet. Zusätzlich können für Schafe zugelassene Impfstoffe vom Tierarzt umgewidmet werden, etwa gegen Blauzungenkrankheit, Chlamydien-Abort, Moderhinke oder Tetanus.
Wichtig zu wissen: Impfungen wirken bei Ziegen generell weniger anhaltend als bei anderen Tierarten, da die Antikörperbildung geringer ausfällt. Sie müssen daher häufiger wiederholt werden.
Meldepflicht bei Seuchen
Wer Ziegen hält oder betreut, ist verpflichtet, den Ausbruch einer Seuche und jede verdächtige Erscheinung unverzüglich einem Tierarzt zu melden. Die Bekämpfungsmassnahmen richten sich nach Art und Ausbreitung der Tierseuche.
Bei hochansteckenden Seuchen wie der Maul- und Klauenseuche oder Schaf- und Ziegenpocken gelten die strengsten Massnahmen. Zu den auszurottenden Seuchen zählen Tollwut, Brucellose, CAE, infektiöse Agalaktie und die Traberkrankheit. Salmonellose, Blauzungenkrankheit und Leptospirose gehören zu den aktiv zu bekämpfenden Seuchen. Schliesslich gibt es noch die zu überwachenden Seuchen wie Paratuberkulose, Listeriose, Lungenseuche, Coxiellose, Pseudotuberkulose, Lungenadenomatose, Toxoplasmose und Kryptosporidiose.
Die aktuellsten Angaben finden sich in der Tierseuchenverordnung des Bundes.
Krankheiten im Überblick
Durchfall
Anzeichen: Breiiger bis flüssiger Kot
Mögliche Ursachen: Futterumstellung (z.B. erster Weidegang): Tiere vor dem Weidegang tränken und mit Heu füttern - Magen-Darm-Würmer: Verbunden mit starker Abmagerung, für Jungtiere sehr gefährlich. Vorbeugung: häufige Weidewechsel, beweidete Flächen nachmähen, feuchte Wiesen meiden, neue Tiere sofort entwurmen, konsequente Stallhygiene. Bei grösseren Beständen werden zweimal jährlich Wurmkuren empfohlen (Frühjahr und Spätherbst).
Vergiftung: Weiden regelmässig auf Giftpflanzen kontrollieren.
Blähungen
Anzeichen: Aufgetriebener Bauch durch erhöhte Gasbildung im Pansen, besonders linksseitig stark vorgewölbt; häufig gekrümmter Rücken und gesenkter Kopf
Ursache: Gieriges Fressen blähender Futtermittel
Vorbeugung: Zu frisches oder feuchtes Futter sowie mastige, kleeartige Weiden vermeiden. Falls keine Ausweichflächen vorhanden, Fresszeit begrenzen. Vor dem Weidegang Raufutter verfüttern.
Breinierenkrankheit (Enterotoxämie)
Anzeichen: Schwanken, Lähmungen, Durchfall; oft rascher, tödlicher Verlauf
Ursache: Bakterien, die bei zu eiweissreicher Ernährung den Körper vergiften; vor allem Jungtiere gefährdet
Vorbeugung: Allzu eiweissreiche Fütterung vermeiden (Kraftfutter, Klee, Hafer), genügend Raufutter anbieten, überdüngte Weiden meiden. Lämmer können geimpft werden.
Lahmen
Anzeichen: Hinken
Mögliche Ursachen:- Fremdkörper im Zwischenklauenspalt (Steine, Holzstücke): Im Stall und Auslauf nichts auslegen, was sich leicht verfangen kann. Gangart der Tiere beobachten, Fremdkörper rasch entfernen - Moderhinke: Siehe separates Krankheitsbild.
Vergiftungen durch Giftpflanzen
Anzeichen akut: Futterverweigerung, Lähmungen, rasender Puls, Schäumen aus dem Mund, Durchfall, Krämpfe
Anzeichen chronisch: Appetitlosigkeit, Krämpfe, Unruhe, Gehstörungen, Leberschäden
Vorbeugung: Weideflächen regelmässig kontrollieren. In Wohnquartieren sicherstellen, dass Tiere nicht ausbrechen können (Gefahr durch giftige Gartenpflanzen).
Pansenazidose (Pansenübersäuerung)
Anzeichen: Geringe bis keine Futteraufnahme, verminderte Wiederkautätigkeit, Teilnahmslosigkeit, teilweise Lähmungen und Festliegen
Ursache: Zu hohe Aufnahme kohlenhydratreicher, rohfaserarmer Futtermittel
Vorbeugung: Rasche Futterumstellungen vermeiden, kohlenhydratreiche Futtermittel stark begrenzen (Zuckerrüben, Getreide, Brot). Vor dem Austrieb – besonders im Frühjahr – Heu und Stroh anbieten.
Trächtigkeitstoxikose
Anzeichen: Fressunlust, schwankender Gang, Festliegen; tritt in den letzten Trächtigkeitswochen auf
Ursache: Energiemangel durch geringes Futteraufnahmevermögen im letzten Trächtigkeitsdrittel; auch durch schwer verdauliches, verunreinigtes oder verdorbenes Futter sowie Überfütterung niedertragender Tiere
Vorbeugung: Niedertragende Ziegen knapp, hochtragende Tiere mit energiereichem Futter versorgen (dosiert, sonst Gefahr einer Pansenazidose). Auf ausreichende Mineralstoffversorgung achten.
Lungenwürmer
Anzeichen: Trockener Husten, Atemnot, teilweise Mattigkeit
Ursache: Fadenförmige Parasiten, die Darm und Lunge schädigen
Vorbeugung: «Gesunde» Weiden bereitstellen, bei grösserem Parasitendruck regelmässige Wurmkuren durchführen.
Aussenparasiten
Anzeichen: Struppiges Fell, Juckreiz, teilweise Hautentzündungen und Haarausfall
Ursache: Räudemilben, Haarlinge, Läuse oder Zecken
Vorbeugung: Stall regelmässig säubern. Weidetiere regelmässig auf Zecken absuchen (Kopfbereich, Beininnenseiten, Euter). Gelegentliches Bürsten schränkt den Parasitenbefall ein, fördert die Durchblutung und schützt vor Verfilzung.
Euterentzündung (Mastitis)
Anzeichen: Zittern und hohes Fieber; rotes, vergrössertes und festes Euter (meist nur eine Hälfte); eitrig-blutige Milch
Ursache: Unsaubere Stallverhältnisse, Euterverletzungen beim Weidegang, Melkfehler (z.B. unvollständiges Ausmelken), ruppige Lämmer beim Saugen
Vorbeugung: Stallhygiene sicherstellen, korrekte Melkabläufe einhalten.
CAE (Caprine Arthritis-Encephalitis)
Anzeichen: Gelenksentzündung, Lähmungen, Verhärtung und Entzündung des Euters
Ursache: Durch Viren hervorgerufene Infektionskrankheit; Übertragung hauptsächlich über die Milch. CAE ist nicht heilbar!
Vorbeugung: Nur Tiere aus CAE-freien Betrieben zukaufen. Jeder Ziegenbetrieb in der Schweiz erhält einen CAE-Status (in der Regel für ein Jahr gültig). Dank konsequenter Bekämpfung sind heute nur noch etwa 1% der Betriebe bzw. 0,3% der Tiere CAE-positiv.
Moderhinke (Klauenentzündung)
Anzeichen: Schmierige, übelriechende Flüssigkeit im Zwischenklauenspalt; erhebliche Schmerzen – Tiere hinken oder knien beim Weiden
Ursache: Bakterien, die sich in Hohlräumen zwischen Horn und Fleisch der Klauen einnisten
Vorbeugung: Konsequente Klauenpflege (idealerweise alle 2 Monate, mindestens zweimal jährlich; Jungtiere ab dem 4. Monat). Stark vermoste, nasse oder überdüngte Weiden meiden. Auf trockenes Einstreu achten. Neue Tiere nur mit frisch geschnittenen, gesunden Klauen übernehmen. Verseuchte Bestände meiden!
Pseudotuberkulose
Anzeichen: Geschwollene Lymphknoten (Kopf, Hals, Kniefalten, Euter); im fortgeschrittenen Stadium können die Knoten aufbrechen und dickes, eitriges Sekret absondern
Ursache: Bakterien-Infektion; Übertragung über Hautverletzungen, durchs Maul oder bei Lämmern über den Nabel
Vorbeugung: Gute Stallhygiene sicherstellen. Tiere vor dem Kauf auf Lymphknotenschwellungen untersuchen.
Seien Sie sorgsam!
Dies waren nur einige Beispiele möglicher Gesundheitsstörungen. Die Liste potenzieller Krankheiten ist lang und füllt ganze Bücher. Beachten Sie die allgemeinen Grundsätze zur Gesunderhaltung und beobachten Sie Ihre Tiere aufmerksam, damit Sie bei Bedarf rechtzeitig den Tierarzt rufen können. Denn Krankheiten und Unfälle lassen sich – auch bei bester Haltung – nie völlig ausschliessen.
