Klauenschnitt bei Ziegen - Schritt für Schritt

Regelmässig geschnittene Klauen helfen, Fehlstellungen, Schmerzen und Lahmheiten zu vermeiden. Je nach Untergrund und Hornwachstum sollten die Klauen etwa drei- bis viermal pro Jahr kontrolliert und bei Bedarf geschnitten werden.

Tipp: Nachdem sich die Tiere auf regenfeuchten Weiden bewegt haben, ist das Klauenhorn etwas weicher und lässt sich meist leichter bearbeiten.

Benötigtes Werkzeug

  • scharfe Klauenschere
  • Klauenmesser für Feinarbeiten
  • feste Bürste
  • saubere Kompressen
  • geeignetes Wunddesinfektionsmittel
  • bei Bedarf Verbandsmaterial

Reinigen und desinfizieren Sie das Werkzeug regelmässig, besonders beim Wechsel zwischen verschiedenen Tieren.

Ziege sicher fixieren

Fixieren Sie die Ziege an einem Fressgitter, in einem Melkstand oder seitlich an einer Wand. Bei unruhigen Tieren ist eine zweite Person hilfreich.

Heben Sie das zu bearbeitende Bein vorsichtig nach hinten und leicht nach oben an – ähnlich wie bei der Hufpflege eines Pferdes, wie es vielen aus Bildern oder Vorführungen bekannt ist. Führen Sie das Bein möglichst gerade nach hinten und ziehen Sie es nicht seitlich nach aussen.

Das Gelenk darf nicht verdreht oder überstreckt werden. Die Ziege sollte auf den übrigen drei Beinen sicher stehen können.

Schritt 1: Klaue reinigen

Entfernen Sie Mist, Erde, Steine und loses Material mit einer festen Bürste. Reinigen Sie auch den Zwischenklauenspalt, ohne die Haut zu verletzen.

Kontrollieren Sie die Klaue auf:

  • Risse
  • loses Horn
  • Rötungen oder Schwellungen
  • weiche oder schmierig belegte Stellen
  • unangenehmen Geruch

Bei starken Veränderungen, Schmerzen oder Lahmheit sollte eine Tierärztin oder ein Tierarzt beigezogen werden.

Schritt 2: Klauenspitze kürzen

Beginnen Sie mit der längeren Klauenhälfte. Kürzen Sie die Spitze vorsichtig und nur in kleinen Schritten. Bei stark überwachsenen oder verformten Klauen sollten Sie nicht versuchen, die gesamte Fehlstellung mit einem einzigen Schnitt zu korrigieren.

Schneiden Sie immer nur so viel Horn ab, wie sicher beurteilt werden kann.

Schritt 3: Überstehenden Tragrand entfernen

Bei zu langen Klauen klappt der seitliche Tragrand häufig nach innen über die Sohle.

Schneiden Sie das überstehende Horn von der Klauenspitze in Richtung Ballen zurück. Der Tragrand sollte am Ende ungefähr auf gleicher Höhe wie die Sohle liegen.

Entfernen Sie loses oder unterhöhltes Horn bis zum festen Horn. Schneiden Sie jedoch nicht in gesundes, fest verbundenes Gewebe.

Schritt 4: Innenwand bearbeiten

Kontrollieren Sie die Innenseite beider Klauenhälften. Schneiden Sie überstehendes Horn vorsichtig zurück, damit der Zwischenklauenspalt frei bleibt. Entfernen Sie nur Horn und niemals gesunde Haut.

Schritt 5: Ballen kontrollieren

Der hintere Ballenbereich besteht aus weicherem Horn und darf nicht stark gekürzt werden. Entfernen Sie nur:

  • loses Horn
  • abstehende Kanten
  • deutlich überwachsene Hornteile

Der Ballen soll nicht unnötig dünn geschnitten werden.

Schritt 6: Sohle ausgleichen

Entfernen Sie unebenes oder überschüssiges Sohlenhorn in sehr dünnen Scheiben.

Wichtig: Sobald das Horn leicht rosa schimmert, müssen Sie sofort aufhören. Die rosa Färbung zeigt an, dass Sie sich dem durchbluteten und schmerzempfindlichen Gewebe nähern.

Die Sohle darf nicht zu dünn werden. Sie muss die Klaue weiterhin vor Steinen, Druck und Verletzungen schützen.

Schritt 7: Ergebnis kontrollieren

Stellen Sie das Bein wieder auf einer ebenen Fläche ab und kontrollieren Sie:

  • Sind beide Klauenhälften ungefähr gleich lang?
  • Liegt die Klaue möglichst flach auf?
  • Sind die umgeklappten Tragränder entfernt?
  • Steht die Ziege weder nur auf den Spitzen noch nur auf den Ballen?
  • Belastet sie das Bein normal?

Das Ziel ist eine natürliche und gleichmässig belastete Klaue. Schneiden Sie nicht so kurz wie möglich, sondern nur so weit wie nötig.

Nach dem Klauenschnitt

Lassen Sie die Ziege einige Schritte auf einer sauberen, ebenen Fläche gehen. Beobachten Sie, ob sie das Bein normal belastet. Reinigen und desinfizieren Sie anschliessend das Werkzeug.

Was tun, wenn es blutet?

Wurde versehentlich zu tief geschnitten:

  1. Drücken Sie eine saubere Kompresse mehrere Minuten auf die blutende Stelle.
  2. Desinfizieren Sie die Verletzung mit einem geeigneten Wunddesinfektionsmittel.
  3. Halten Sie die Ziege auf sauberem und trockenem Untergrund.
  4. Legen Sie bei Bedarf einen sauberen, nicht zu engen Verband an.

Bei starker oder anhaltender Blutung, einer tiefen Verletzung oder deutlicher Lahmheit muss eine Tierärztin oder ein Tierarzt beigezogen werden.

Die wichtigsten Regeln

  • Das Bein nach hinten und leicht nach oben anheben.
  • Das Bein nicht seitlich verdrehen oder gewaltsam abspreizen.
  • Nur mit scharfem und sauberem Werkzeug arbeiten.
  • Das Horn immer schrittweise entfernen.
  • Tragrand und Sohle ungefähr auf eine Höhe bringen.
  • Ballen und Sohle nicht unnötig ausdünnen.
  • Beim ersten rosa Schimmer sofort aufhören.
  • Beide Klauenhälften gleichmässig ausrichten.
  • Bei Schmerzen, Geruch, Entzündungen oder Lahmheit eine Fachperson beiziehen.

Hinweis

Wer noch keine Erfahrung mit dem Klauenschnitt hat, sollte sich die richtige Technik zusätzlich von einer erfahrenen Ziegenhalterin, einem erfahrenen Ziegenhalter oder einer Fachperson praktisch zeigen lassen.

© appenzellerziege.ch

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