Dem Milch-Rätsel auf der Spur

Die Appenzellerziege ist eine traditionsreiche Schweizer Ziegenrasse und ein wichtiger Teil des kulturellen Erbes ihrer Ursprungsregion. Bei einzelnen Tieren – nicht bei der Rasse als Ganzes – gibt die Milch jedoch ein Rätsel auf: Frisch ist sie einwandfrei, entwickelt aber bereits nach rund zwei Tagen Lagerung einen ranzigen Fehlgeschmack und lässt sich dann nur noch eingeschränkt verarbeiten. Für betroffene Produzenten und Käsereien ist das eine grosse Herausforderung, die langfristig die Attraktivität der Rasse beeinträchtigen könnte.

Hier setzen zwei aufeinander aufbauende Forschungsprojekte der Berner Fachhochschule (BFH-HAFL) und der Universität Bern an, unterstützt vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) und unter Einbezug des Schweizerischen Ziegenzuchtverbands (SZZV).

Der erste Teil des Rätsels liegt im Milchfett: Der Fehlgeschmack entsteht, wenn dieses aufgespalten wird und dabei freie Fettsäuren freigesetzt werden. Beeinflusst wird der Vorgang unter anderem von Fütterung, Melktechnik und Jahreszeit – Hinweise deuten darauf hin, dass auch die Genetik eine Rolle spielen könnte. Im Mittelpunkt steht das Milcheiweiss Alpha-S1-Kasein (CSN1S1), das die Käseausbeute mitbestimmt. Verschiedene genetische Varianten – etwa mit mittlerer (E-Allel) oder fehlender (O-Allel) Bildung – könnten miterklären, warum nur ein Teil der Tiere betroffen ist.

Das erste Projekt (2024–2025) unter Leitung der BFH-HAFL kombinierte genetische Untersuchungen mit chemischen Milchanalysen, um die Ursachen besser zu verstehen. Das dreijährige Folgeprojekt «Genetik für den Erhalt» (ab 2026) unter Leitung von Prof. Dr. Cord Drögemüller (Universität Bern) verfolgt drei Ziele: die Kasein-Variante wieder zuverlässig aus Genotypisierungsdaten ableiten, weitere für die Zucht bedeutsame Erbanlagen identifizieren und die genetische Vielfalt der Zuchtböcke sichern.

Schritt für Schritt tragen die Projekte so zur Lösung des Milch-Rätsels bei. Gemeinsam schaffen sie wissenschaftliche Grundlagen, um die Milchqualität zu verbessern und zugleich die genetische Vielfalt zu erhalten. So leisten sie einen wichtigen Beitrag dazu, dass die Appenzellerziege auch künftig als gesunde, leistungsfähige Milchziege und lebendiger Teil ihres kulturellen Erbes bestehen bleibt.

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt finden Sie auf folgenden Seiten der Berner Fachhochschule und des Bundesamts für Landwirtschaft.

© appenzellerziege.ch

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