Ernährung & Fütterung
Wie füttere ich meine Ziegen bei einer Futterumstellung richtig?
Ich habe seit kurzem, mit der Zucht von Thüringer Waldziegen angefangen. Meine Ziegen-Muttertiere hatten als ich sie bekam, mit Durchfall zu kämpfen, den ich durch Heu-Wasser-Gabe wieder weg bekam. Aber nun muss ich das Futter umstellen, denn das Grünfutter reicht nicht mehr. Wie kann ich verhindern das sie wieder an Durchfall leiden, wenn ich auf Zuckerrübenschnitzel wechsle ? Oder können sie mir ein andere Futterart nennen?
Zuckerrübenschnitzel sind ein gutes Beifutter. Als Alleinfutter eignen sie sich aber meines Erachtens nicht. Aus Rücksicht auf die Wiederkäuermägen Ihrer Ziegen, sollten Sie - wenn nicht vorrätig - Heu oder Stroh hinzukaufen. Bei einer geringen Zahl an Ziegen kann der Kauf von Graspellets günstiger und ebenso gut sein. Jede Futterumstellung sollte im Übrigen langsam vorgenommen werden, ansonsten ist die Gefahr von Durchfall und anderen gesundheitlichen Problemen gross. Ich würde die Zuckerrübenschnitzel trocken verfüttern, mit einer Handvoll pro Ziege und Tag beginnen und auch nach Abschluss der Umstellung nicht mehr als 0.8 kg verfüttern. Wenn Ihnen die Milchleistung wichtig ist, sollte die Menge geringer bleiben, da man den Zuckerrüben nachsagt, sie würden die Milchproduktion beeinträchtigen.
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Warum sollten Ziegen keine Rhabarber fressen?
Ich habe eine zoologische Prüfung an der Universität. Angeblich wird auch die Frage gestellt warum man an Ziegen keinen Rhabarber verfüttern sollte. Das führt wohl zu Durchfällen auf Grund eines Enzymmangels. Aber welches Enzym genau betroffen ist, finde ich in keinem Lehrbuch und auch das Internet liefert keine Ergebnisse.
Tatsächlich ist Rhabarber für Ziegen giftig. Der Verzehr sollte deshalb vermieden werden. Ursache für die schädigende Wirkung ist aber nicht ein Enzymmangel. Eine aufgenommene grosse Menge führt bei Ziegen zu einer Oxalatanhäufung im gastroenteralen System. Durch dieses wird C++ gebunden. Es kommt zu Hypocalcaemie infolge ungenügender Calciumresorption über den Digestionstrakt mit all ihren klinischen Symptomen (Muskelzittern, Hypothermie, Parese). Diese Ausführungen zur Wirkung des Rhabarberkonsums stammen aus dem Fachbuch «Schaf- und Ziegenkrankheiten» von Hartwig Bostedt und Kurt Dedié, 2. Auflage, Ulmer Verlag, Stuttgart 1996.
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Ist ein Buchsstrauch auch giftig für die Zwergziegen wie Thuja?
Alle Teile des Buchsbaums gelten als giftig für Menschen und auch verschiedene Tierarten wie Katzen, Hunde, Nager, Kühe, Rinder, Pferde oder Schweine. Verantwortlich ist ein Alkaloidgemisch mit dem Hauptalkaloid Buxin (Cyclobuxin). Die Symptome einer Vergiftung gehen offenbar von Durchfall, Krämpfen, Schwindel bis hin zu Koma und Tod durch Atemlähmung. Uns sind hingegen keine wissenschaftlichen Angaben bekannt, dass der Buchsbaum auch für Ziegen gefährlich sein könnte, wie zum Beispiel der von Ihnen erwähnte Thuja-Baum. Nach eigener Beobachtung wird der Buchs im Normalfall auch nicht gefressen. Trotz dem offenbar geringem Risiko würden wir auf Buchshecken auf der Ziegenweide verzichten, wenn es sich vermeiden lässt.
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Sind die Ziegen meiner Freundin vergiftet worden?
Bei meiner Freundin sind vor drei Tagen 7 von 8 Ziegen gestorben, alle vorher dick und rund, kein Husten, kein Durchfall, regelmässig geimpft. Wir haben ein wenig in Verdacht, dass sie vergiftet wurden. Was kann das sein? Pflanzen? Nüsse?
Dies ist aus der Ferne schwierig zu erkennen. Wenn kein Durchfall festzustellen war und der Tod rasch eintrat, könnte eine Eibenvergiftung vorliegen. Sie führt zur Lähmung von Atmung und Herz und hat einen raschen Tod zur Folge. Auch eine Rhododendron-Vergiftung kann sehr rasch zum Tod führen. Hier sind folgende Symptome üblich: Atemlähmungen, zentralnervöse Erscheinungen, Lähmungen, Erbrechen und Festliegen. Sowohl bei der Eibe wie beim Rhododendron handelt es sich um Pflanzen, die in Gärten häufig anzutreffen sind. Leider kommt es immer wieder vor, dass Gartenbesitzer - unwissend um die Giftigkeit das Schnittgut von solchen Pflanzen in Tiergehegen entsorgen.
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Kann ich Weihnachtsbäume an meine Ziegen verfüttern?
Wir wollen vor Neujahr den Weihnachtsbaum abbauen und haben uns gefragt, ob wir ihn nicht den Ziegen verfüttern könnten, statt ihn in die Verbrennung zu geben. Wenn ich noch alle Nachbarn frage, käme einiges Ziegenfutter zusammen.
Grundsätzlich sind Tannenäste für Ziegen gesund und auch sehr beliebt. Sollen Weihnachtsbäume verfüttert werden, muss jedoch zweifelsfrei feststehen, dass diese unbehandelt sind. Der Grossteil unserer Weihnachtsbäume stammt heute aus intensiv bewirtschafteten Plantagen. An diesen Orten werden recht häufig Pestizide gespritzt, z.B. gegen Graswuchs unter den Bäumen, gegen Schädlinge und/oder gegen Pilzbefall. Zudem wird der rasche Wuchs und die gleichmässige Grün- oder Blaufärbung durch spezielle Dünger unterstützt. Diesen Giftmix in und auf der Tanne sollten Sie Ihren Ziegen nicht zumuten! Auch wenn die Bäume natürlichen Ursprungs sind, muss natürlich darauf geachtet werden, dass darauf nicht noch Resten der Dekoration zu finden sind, die Ihren Ziegen «in den falschen Hals» kommen könnten.
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Was ist unter «Kraftfutter» zu verstehen?
Als Kraftfutter gelten eiweissreiche Futtermittel aller Art. Im Vordergrund stehen für Ziegen Produkte aus Getreide (insb. Hafer, Gerste, Weizen, Roggen und Mais), aber auch aus der Verarbeitung von Kartoffeln und Rüben (Trockenschnitzel).
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Sollen Zwergziegen Kraftfutter bekommen?
Stimmt es , dass Zwergziegen kein Kraftfutter bekommen sollen? Ich gebe ihnen abends 50g; ist das schädlich? Eine Ziege ist trächtig
Bei Zwergziegen sollte tatsächlich auf die Abgabe von Kraftfutter verzichtet werden. Es besteht kein Bedarf und die Gefahr der schädlichen Verfettung (die nicht immer von aussen sichtbar ist) ist gross. 50g pro Zwergziege sind zudem sehr viel! An trächtige und milchgebende Muttertiere kann eine Abgabe sinnvoll sein, da ein Mehrbedarf an Energie angenommen wird. Wenn genügend anderes Futter vorhanden ist, scheint mir dies aber bei trächtigen Zwergziegen nicht notwendig. In diesem Sinne würde ich künftig auf eine regelmässige Abgabe von Kraftfutter verzichten. Wenn Sie Ihren Ziegen Freude bereiten wollen, würde ich lieber Möhren oder Äpfel verfüttern (aber auch hier in vernünftigen Mengen).
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Wie stelle ich gutes Heu für meine Ziegen her?
Wir beziehen das Heu für unsere Zwergziegen vom Bauern. Nun wollten wir gerne mal selber Heu herstellen. Wie machen wir gutes Heu, das unsere Ziegen mögen? Gutes Wiesenheu besteht aus Gräsern, Schmetterlingsblütlern (Luzerne, Klee, etc.) und Kräutern.
Der Schnitt mit der (Motor-)Sense sollte nicht vor Beginn der Blüte erfolgen, damit ein guter Rohfasergehalt erreicht wird. Danach ist es wichtig, dass der Grasschnitt schnell und gründlich trocknet. Ohne Trocknungsanlage braucht dies einige regenfreie Tage. Je mehr Sonnenschein dazu kommt, desto besser sind die Beschaffenheit und der Geschmack. Das Trocknen kann auf dem Boden (mit regelmässigem Wenden) erfolgen oder (besser) auf einem Holzgestell (zu finden unter den Namen «Heinzen», «Reuter», «Heu-Reiter» etc.). Der angetrocknete Wiesenschnitt wird auf den Holzgestellen für einige Tage zum vollständigen Trocknen aufgehängt. Lagerfähiges Heu fühlt sich warm und trocken an, auf keinen Fall heiss oder feucht. Zu früh eingelagertes Heu schimmelt oder kann sich gar entzünden. Das fertige Heu sollte an einem trockenen und gut belüfteten Ort aufbewahrt werden. Zum Lagern kleinerer Mengen eignen sich zum Beispiel (aufgehängte) Netze oder Jutesäcke. Um Koliken zu vermeiden wird oftmals empfohlen, kein frisches Heu zu verfüttern, sondern es noch eine Weile (4-6 Wochen) zu lagern, bis alle Gärungsprozesse vorüber sind.
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Sind Rotbuche und Bucheckern für Ziegen giftig?
Können Sie mir bitte sagen, ob die Rotbuche, Blätter und Bucheckern, giftig für Ziegen sind? In Ziegenforen findet man einerseits, sie sei giftig, anderseits werden die Bucheckern sogar den Ziegen gefüttert. Da eine Rotbuche auf der Weide der Ziegen ist, möchten wir schon genau wissen, was stimmt.
In den Bucheckern finden sich zwar Giftstoffe, wie Saponine und Oxalsäure. Nach der uns bekannten Fachliteratur sind aber weder Bucheckern noch Blätter für Ziegen schädlich. Auch ein "Selbstversuch" unserer Tiere kam zum selben Resultat. Nicht ausgeschlossen werden kann, dass es bei Übermass oder hoher Empfindlichkeit zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen kann. Aber dies gilt bekanntlich für viele Dinge des Lebens.
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Warum will meine Ziege das neue Heu nicht fressen?
Ich habe 3 Zwergziegen, die gerne Heu fressen. Aber der Vorrat des letzten Jahres ist auf. Habe jetzt neues besorgt, verschiedene Sorten zur Probe. Hab dann auch gutes Heu gefunden und gekauft, aber das wird nicht gefressen. Es wird ein bisschen herausgesucht und der Rest bleibt liegen. Was kann ich machen? Bekommen die Ziegen jetzt zu wenig Futter?
Ziegen sind für ihr wählerisches Fressen bekannt. Dies gilt auch für die Heuaufnahme, die in der Menge je nach Qualität um über 100% abweichen kann. Einen wesentlichen Einfluss hat der Zeitpunkt der Heuernte. Vor Ende der Blüte geschnittenes Heu wird in der Regel besser gefressen. Sehr empfindlich reagieren Ziegen auf Heu, das feucht geworden ist und im Geschmack nicht mehr einwandfrei ist. Geradezu verweigert wird Heu, das verunreinigt ist, z.B. durch Kot. Es ist davon auszugehen, dass sich Ihre Ziegen mit der Zeit an den neuen Geschmack des Heuangebot gewöhnen. Wenn Sie in diesem Jahr ein Heu von geringerer Qualität erwischt haben sollten, müssen Sie aber mit Sicherheit mit einem grösseren Ausschuss und damit insgesamt mit einem höheren Heubedarf rechnen. Sollten Ihre Tiere das Heu hingegen mehr oder weniger konsequent verweigern, werden Sie nicht umhinkommen, neues Heu herbeizuschaffen. Denn der Verzehr von genügend Raufutter ist für eine gute Ziegengesundheit unumgänglich.
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Was muss ich beim Füttern von Brot an Ziegen beachten?
Grundsätzlich darf nur getrocknetes Brot abgegeben werden. Wird frisches oder schimmliges Brot gefüttert, so schadet dies der Gesundheit erheblich und kann für die Ziegen tödlich sein. Um sicher zu gehen, dass das Brot in verabreichbarem Zustand ist, kann das trockene Brot im Backofen leicht angeröstet werden. Gesundheitsschädlich ist im Übrigen auch die Abgabe grösserer Brotmengen (Kohlenhydratüberfütterung, Breinierenkrankheit, etc.). Deshalb gilt: Auch trockenes Brot nur mit grosser Zurückhaltung füttern!
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Ist die Fütterung von Weisstannenzweigen schädlich für Ziegen?
Seit diesem Jahr bin ich Ziegenhalterin. Nebst der normalen Fütterung von Heu und Gras und wenig Kraftfutter, verabreiche Ihnen so jeden 2. Tag einen Zweig von einer Weisstanne. Ich habe gelesen es sei sehr gut für Ziegen, da es viel Spurenelemente und Vitamine enthalte. Mein Vater ist nun der Meinung, dass Weisstanne eine Säure hat, die nicht gut sei.
Sie liegen mit dem Weisstannenzweig goldrichtig! Weisstannen sind sehr beliebt und - wie Sie bereits gelesen haben - für Ziegen auch sehr auch gesund. Tatsächlich enthalten Weisstannenäste recht viel Gerbsäure. Diese ist für die Ziegen aber gut verträglich. Natürlich sollten nur vernünftige Mengen an Tannenzweigen abgegeben werden, was aber bei Ihnen eindeutig der Fall ist.
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Ist die Alpenrose für Ziegen giftig?
Meine Ziegen haben ein paar Blätter der giftigen Alpenrose gefressen. Tierarzt war schon da und hat was homöopathisches verabreicht. Im Moment erbrechen sie, haben Schaum vorm Mund,... Wie kann ich Abhilfe schaffen?
Es war absolut richtig, dass Sie den Tierarzt sofort beigezogen haben. Ich möchte mir nicht anmassen, dessen Beurteilung in Frage zu stellen. Die Behandlung von Vergiftungen ist schwierig und richtet sich nach den jeweiligen Symptomen. Die Gefahr bei Vergiftungen durch Alpenrose besteht, dass es am Ende zu Atemlähmungen kommt. Aufgrund der Schwierigkeit der Behandlung von Vergiftungen ist die Vorbeugung besonders wichtig, indem die Weiden regelmässig kontrolliert werden. Eine absolute Sicherheit besteht aber natürlich nie.
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Dürfen Ziegen Nussgipfel fressen?
Ich bekomme von unserer Bäckerei gelegentlich die Abfälle, mitunter sind auch Nussgipfel, Nussschnecken, und andere Süssigkeiten dabei, darf ich das den Ziegen manchmal zu Essen geben?
Ich muss Ihnen dringend abraten, Süssigkeiten an Ihre Ziegen zu verfüttern. Sie sind für Wiederkäuermägen absolut nicht geeignet und können bei Ihren Ziegen schwerste Gesundheitsschäden auslösen. Hartes Brot kann hingegen in kleinen Mengen abgegeben .
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Was kann ich auf der Ziegenweide ansäen?
Ich will einen Teil meines Gartens als Ziegenweide neu ansähen. Kann ich dafür eine normale Zierrasenmischung verwenden?
Ziegen mögen eine vielfältige Zusammensetzung des Gründlands. Sportrasen- oder Zierrasensamenmischungen sind deshalb für eine Weide nicht geeignet. Ihre Zusammensetzung ist zu monoton. Im Handel werden verschiedene Natur- und Weiderasenmischungen angeboten, die zweckmässiger sind. Als ideal gelten Weiden mit rund Zweidrittel Gräsern und je einem Sechstel Futterkräutern und Hülsenfrüchtlern. Zu beachten gilt es allerdings, dass die Zusammensetzung nicht nur durch die Ansaat, sondern mindestens ebenso durch das Umfeld (Bodenbeschaffenheit, Sonneneinstrahlung) und die Behandlung (Schnitthäufigkeit, Düngung) geprägt wird.
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Kann ich Salzlecksteine für Schafe auch für Ziegen verwenden?
Kann ich auch einen Salzleckstein und Mineralleckstein für Schafe aufstellen? Für Ziegen habe ich keinen bekommen.
Bei Salzlecksteinen wird nicht zwischen Lecksteinen für Schafen und Ziegen unterschieden. Sie können demnach ohne Weiteres einen entsprechenden Stein verwenden, auch wenn auf der Packung nur Schafe angegeben sind. Das Gesagte gilt grundsätzlich auch für Minerallecksteine. Es existieren allerdings auch Mineralblöcke, die speziell oder zumindest auch auf die Ziegenproduktion angepasst sind. Diese Mineralblöcke wären zu bevorzugen. Entscheident ist, dass die Mineralstoffmischung von den Ziegen geschmacklich zusagen und effektiv genutzt werden. Wenn dies nicht der Fall ist, so nützen sie nichts und müssen ersetzt werden. Sonst kann es zu Mangelkrankheiten kommen.
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Dürfen Ziegen Rosskastanien fressen?
Rosskastanien sind für Ziegen gesundheitsschädlich und sollten deshalb nicht verfüttert werden.
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Fressen Ziegen gerne Brennesseln und Disteln?
In unserem Pferdestall (3 Wallache 15 - shetty, 17-haflinger, 31-traber und 3 stuten 17-rheinländer,17-new forrest, 24-traber) haben wir auf den weiden das Problem, dass sich dort Brennnesseln und Sauerampfer und Disteln sehr stark ausbreiten. Eine Freundin meinte nun zu mir, wir sollten doch einfach eine Ziege mit auf die Weide stellen, die würde das schon machen. Ich würde mich sehr freuen, wenn sie mir erklären würden, ob diese Haltung also, 1 Ziege mit 6 Pferden überhaupt gut für die Ziege ist und ob sie überhaupt an die Brennnesseln gehen würde.
Ziegen und Pferde verstehen sich auf der Weide normalerweise gut und können deshalb problemlos gleichzeitig gehalten werden. Allerdings müssten Sie mindestens zwei Ziegen nehmen, damit die Haltung tiergerecht wäre. Zu den von Ihnen genannten Pflanzen lässt sich folgendes sagen: Sauerampfer wirkt für Ziegen in grösseren Mengen toxisch. Es handelt sich somit nicht um eine ideale Futterpflanze und wird von den Ziegen (glücklicherweise) auch nur sehr zurückhaltend aufgenommen. Brennnesseln werden hingegen deutlich besser gefressen und sind auch sehr gesund. Je nach Wachstumsstand stehen sie aber nicht bei allen Ziegen zuoberst auf der Speisekarte. Generell eine grosse Beliebtheit geniessen Brennesseln hingegen in getrocknetem Zustand. Wenn Sie ältere Ziegen kaufen, könnten sie die Vorlieben vom Vorbesitzer in Erfahrung bringen, damit Ihre Erwartungen nicht enttäuscht werden. Auch Disteln werden angeknabbert, in der Regel aber erst, wenn nichts mehr Besseres vorhanden ist.
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Wann ist Ziegenmilch wirklich «bio»?
Die Vorschriften für die biologische Tierhaltung finden Sie in der Bio-Verordnung des Bundes. Zusätzlich bestehen Vorgaben privatrechtlicher Vereinigungen (vgl. z.B. bio suisse). Die Produkte werden mit den entsprechenden Labels versehen. Eine abschliessende Darstellung der zahlreichen Vorschriften würde diesen Rahmen sprengen. Vorgaben für die Bio-Ziegenhaltung sind jedoch zum Beispiel, dass die Tiere vornehmlich mit betriebseigenem Raufutter ernährt werden müssen. Der Anteil des Kraftfutters ist stark beschränkt. Die Haltung der Ziegen ist zudem so zu optimieren, dass eine Entwurmung mit chemischsynthetischen möglichst hinfällig wird. Ist der Einsatz von Medikamenten unumgänglich, sind danach doppelte Wartefristen einzuhalten. Für Lämmer gilt eine Mindestsäugedauer mit unveränderter Milch.
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Sind Pilze auf der Weide für Ziegen gefährlich?
Auf der Weide unserer Ziegen habe ich einige Pilze gesehen. Ich kenne mich nicht aus mit Pilzen und weiss nicht, ob sie giftig sind. Was soll ich tun?
Ab und zu ist davon zu hören, dass Ziegen an Giftpilzen auf der Weide verendet seien. Ob es sich hier nur um eine Vermutung handelt oder die Todesursache nachgewiesen ist, lässt sich von uns nicht beurteilen. Immerhin scheint es sich - in Anbetracht der vielen Pilze - nicht um ein grösseres Problem zu handeln. Dies wird primär daran liegen, dass die Ziegen, die für sie nicht geniessbaren Pilze im Normalfall meiden. Zudem sind ihre Mägen nicht mit den unsrigen zu vergleichen. So fressen sie offenbar Fliegenpilze, ohne dabei Schaden zu nehmen. Das erheblichere «Pilzproblem» bilden gesundheitsschädigende Schimmelpilze auf Futterpflanzen im Feld (Feldpilze) und nach der Ernte (Lagerungspilze). Die Schimmelpilztoxine können in Stroh, Heu, Silage oder Kraftfutter vorkommen. Der Futtermittelhygiene ist deshalb zum Schutz von Mensch und Tier besondere Beachtung zu schenken.
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Ist die Herbstzeitlose für Ziegen giftig?
Ich halte seit Kurzem fünf Steirische Scheckenziegen, habe Herbstzeitlosen auf der Weide, die ihnen so nichts machen, will aber meine Ziegen nächstes Jahr melken. Ich habe gehört, dass wenn das Gift in die Milch gelangt, man daran sterben kann, das wollen wir natürlich nicht. Hilft da das Abkochen der Milch oder nicht. Bitte um genaue Auskunft!
Die Herbstzeitlose gilt als sehr giftig. Colchicin ist der Hauptträger der giftigen Wirkung. Es steckt in allen Pflanzenteilen, insbesondere aber in der Knolle und in den Samen. Mit der Reife der Pflanze nimmt der Giftgehalt zu. Ziegen reagieren gemäss Untersuchungen zwar weniger empfindlich wie andere Weidetiere. Dennoch sollte der Verzehr der schädlichen Pflanze durch die Tiere unbedingt vermieden werden. Ihr primäres Ziel müsste es deshalb sein, die Herbstzeitlosen auf ihrer Weide zu eliminieren. Auf landwirtschaftlichen Seiten ist dazu nachzulesen, dass es gerade jetzt im Mai ideal ist, die Pflanzen auszustechen oder auszuziehen. Dieses Vorgehen ist noch zwei Jahre zu wiederholen, bis die Knollen «ausgehungert» sind. Danach sollten Sie Ruhe haben. Als weitere mögliche Bekämpfungsmassnahmen gelten u.a. auch ein konsequenter Schnitt und die Düngung der Wiesen. Wie Sie richtigerweise feststellen, wird das Gift über die Milch der Ziegen ausgeschieden und bildet auf diesem Weg auch eine Gefahr für den Menschen. Über das Ausmass der Gefährdung liegen uns keine Erkenntnisse vor. Dass eine Erhitzung zu einer «Entgiftung» der Milch führen würde, kann der von uns konsultierten Fachliteratur nicht entnommen werden. Im Gegenteil zeigen Auswertungen der Vergiftungsfälle, dass das Erhitzen von Herbstzeitloseblättern zu besonders schweren Vergiftungen geführt hat. Die Ursache dieses Effekts ist uns allerdings nicht bekannt.
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Warum fressen meine Ziegen keine Blacken?
Mit einem Schüler arbeite ich am Thema Ziege. Er selber hat Ziegen zuhause. Wir haben im Zusammenhang mit der herausgegebenen Briefmarke zur Förderung der Biodiversität gelesen, dass Ziegen gerne Blacken fressen. Mein Schüler hat bis jetzt die Erfahrung mit seinen Ziegen gemacht, dass diese Blacken überhaupt nicht mögen. (Das wäre ja eine gute Sache, wenn dem so wäre, man könnte dann ja aufs Blackenstechen verzichten. Betrifft diese Äusserung vor allem die Pfauenziegen?
Die Wiesen-Blacke (Stumpfblättriger Ampfer) bildet als konkurrenzstarker Platzräuber für die Landwirtschaft ein stetes Problem, zumal er auch ein hohes Vermehrungspotential und eine jahrzehnte (!) dauernde Keimfähigkeit besitzt. Aus diesem Grund bestehen verschiedene Untersuchungen über Bekämpfungsmassnahmen, u.a. über die Wirkung der Beweidung durch Nutztiere. Der Blackenbestand nahm bei einer Beweidung durch Rinder jeweils sogar noch zu. Beim Einsatz von Ziegen ging er jedoch deutlich zurück (nach einer Studie der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft um 71 Prozent nach einer zweijährigen Beweidung!). Weshalb fressen nun die Ziegen Ihres Schülers die Blacken nicht? Dazu gibt es zwei Begründungen: Zunächst sind Ziegen sehr wählerisch. Sie fressen immer zuerst diejenigen Pflanzen, die sie besonders mögen und erst danach die für sie weniger schmackhaften. Solange es genügend bevorzugtes Futter gibt, werden sie sich diesem widmen oder auch darauf warten (und dafür vorübergehend auch Hunger in Kauf nehmen). Wenn sie aber wiederum lernen, dass sie für eine gewisse Zeit vom Vorhandenen leben müssen, ergibt sich eine Gewöhnung an die weniger begehrten Pflanzen. Eine weitere Begründung liegt darin, dass nicht alle Ziegen ein vollkommen deckungsgleiches Fressverhalten aufzeigen. Unabhängig von der Rasse können Ziegen unterschiedliche Vorlieben haben, was sich auf der Weide bemerkbar macht. Auch hier wird wohl die Gewöhnung und Erfahrung als Jungtier eine Rolle spielen.
